Chronik

Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Bergfelde

Der Anfang

Nach einer Einwohnerversammlung am 30.12.1908, vom damaligen Gemeindevorsteher August Müller einberufen, wurde beschlossen eine Freiwillige Feuerwehr zu gründen. Das geschah am 09. Januar1909 mit 13 Männern des Ortes. Folgende Beweggründe werden maßgebend gewesen sein:

1. Besiedlung des Ortes durch Parzellierung der „Alten Kolonie" (1910 abgeschlossen), des Dichterviertels und Teilen des Mühlenbecker Viertels. Bis 1909 wuchs die Bevölkerung von 100 auf 350 Einwohner in über 40 bewohnten Häusern und zahlreichen Wochenendhäusern, den so genannten „Lauben" von Berlinern.

2. Die Verlegung des kaiserlichen Hofjagdreviers 1905 vom Grunewald in die Oranienburger Forsten, das hart nördlich unseres Dorfes begann. 1906 kommt Zar Nikolaus als Jagdgast des Kaisers hierher und soll auf dem 71 m hohen Fuchsberg gestanden haben. Dieses Ereignis zieht das Interesse breiterer Kreise an dieser Gegend auf sich. Sicherlich mußte die südliche Begrenzung des Hofjagdreviers wegen der vielen Waldbrände von einer Feuerwehr abgesichert werden.

3. Die 1898 gegründete Feuerwehr Hohen Neuendorf hatte zudem keine Lust mehr, dauernd für uns die Brände auszumachen, zumal sich der Anfahrtsweg zu den Brandstellen durch eine Bergfelder Wehr verkürzen ließ. 1899 mußte Bergfelde z.B. 14 Goldmark an Hohen Neuendorf für die Brandbekämpfung zahlen.

4. Um die Jahrhundertwende verstärkte der Staat seine Bestrebungen, das kommunale Feuerlöschwesen in die Hände von freiwilligen Feuerwehren und Pflichtfeuerwehren zu überführen. 1899 gründete sich die FFw Glienicke, 1900 die von Birkenwerder.

Der ersten Feuerwehr Bergfelde gehörten an:
. der Bauunternehmer Julius Güldemeister, später Oberführer
. der Zimmermann und Maler Franz Schulze als Brandmeisterstellvertreter
. der Schlosser Gustav Kressmann als Utensilienverwalter
. der Maurer Paul Gabriel als Steiger (gefallen 1917)
. der Maurer Albert Winkler als Steiger
. der Gastwirt Karl Holz als Spritzenmann
. der Gärtner Johann Prätzel als Spritzenmann
. der Gastwirt Arthur Kunze als Spritzenmann
. der Zimmermann Hermann Güldemeister als Steiger
. der Arbeiter Max Schmidt als Spritzenmann
. der Arbeiter Martin Qualitz als Spritzenmann
. der Maurer Wilhelm Bruchmann als Steiger
. der Bauer Otto Ladewig als Spritzenmann

Alle traten nach der Stammrolle schon am 30. 12. 1908 ein.
Von diesen 13 wackeren Gründern blieben nach 25 Jahren nur noch zwei übrig; Julius Güldemeister und Wilhelm Bruchmann.

Die Feuerwehr und ihre Bauten

Begonnen hat alles mit einem hölzernen Steigerturm und einem hölzernen Geräteschuppen auf dem Grundstück in der Triftstraße. 1914 wird das 1. Feuerwehrdepot gebaut, das 1925 elektrisches Licht und 1936 Zentralheizung bekam.
1938 wurde das Depot vergrößert und eine Wohnung für den Gerätewart in den 1. Stock eingebaut..
1958 wurde von den Kameraden in 1900 Stunden eine 3. Garage, kombiniert mit einem Gerätelager, angebaut.
1960 mußte der Steigerturm neu verputzt werden.
1970 wurde von den Kameraden das im Wege stehende Armenhaus abgetragen um Platz für einen Erweiterungsbau zu schaffen.
1974 bekam das Depot eine neue Beleuchtungsanlage

1976 bauen die Kameraden in 1612 Stunden den Schulungsraum an. Schulungsraum2  Schulungsraum1

1977 bauen sie einen massiven Kohlebunker für die Heizung und 1981 ein neues Treibstofflager. Das Depot bekommt 3 neue Tore. 1982 werden die Tore gestrichen und die Steigerturmfenster verputzt. 1985 wird mit dem Bau einer neuen Fahrzeughalle begonnen, mit Erd- und Maurerarbeiten. 1986 geht es mit dem Innenausbau weiter und am 27. 11. 1987 wird nach über 3100 Stunden Arbeit das neue Depot in Betrieb genommen. Nun fehlte noch der Zwischenbau als Verbindung des alten mit dem neuen Depot. 1988 begannen die verzweifelt aussehenden Maurerversuche. Und wie immer verzögert der chronische Geldmangel der Gemeinde den weiteren Ausbau. 1989 konnten die Kameraden noch das Kamelit als Isolierung auf den Boden des neuen Depots bringen, damit war große Pause. --- Dann kam die Wende mit dem Zauberwort „Fördermittel". Nach der nochmaligen Projektierung konnten die Kameraden in 329 Stunden 1992 den Heizungsschornstein, den die PGH „Aufbau" anscheinend für die Ewigkeit gebaut hatte, abreißen, da er für die geplante Gasheizung nicht in Frage kam.

1992 wurde der Zwischenbau mit Dach versehen und der Innenausbau im Februar 1993 fertig. Die Umstellung der Kohleheizung auf Gas machte die Konzeption des Zwischenbaues als Kohlebunker überflüssig. Es entstanden eine Garage mit Werkbänken für Reparaturen, mehrere Waschgelegenheiten und neue elektrische Leitungen und Beleuchtung.

1993 erfolgten die Pflasterung vor dem Zwischenbau und dem neuen Depot, die Komplexsanierung des Steigerturms und das Abputzen beider Depots.

Die Projektierung des so dringend benötigten Sanitärtraktes ist abgeschlossen, weitere Baumaßnahmen sind 1994 von den beantragten Fördermitteln abhängig.

Im Spätherbst des Jahres 1995 begannen die Arbeiten für den Sanitärtrakt. Ein ungewohnt strenger Winter zog diese Baumaßnahmen in die Länge. Im Frühjahr 1996 wurde der Umbau trotz einiger Mängel übergeben.

In Eigeninitiative der Kameraden wurde dann noch der Schulungsraum mit einem neuen Tresen und einem neuen Farbanstrich versehen.

Im Frühjahr des Jahres 1998 erhält das Depot neue Rolltore.Rolltor

Die Feuerwehr und ihre Technik

Es ist sicher, daß vor 1909 schon eine Gemeinde-Handdruckspritze vorhanden war, mit einem Spritzenmeister und einem Pferdegespanndienst.
1910 wurde der Wehr eine neue Handdruckspritze beschafft, die heute noch existiert.
1929 gab es einen Voraustrupp von 6 Mann auf Fahrrädern mit je einem Minimal-Feuerlöscher und anderen Löschgeräten im Rucksack.
1931 war es endlich soweit, daß die Wehr eine Maschinenpumpe Marke Koebe bekam. Im gleichen Jahr spendierte Herr Julius Maiwald sen. eine Bambusstange zur Rettung Ertrinkender!
1932 wurde ein Motorwagen der Marke „Ford" in Dienst gestellt. Ihm folgte 1934 ein „Mercedes" als 2. Auto und eine Tragkraftspritze „Koebe".
1935 wird der Stahlhelm eingeführt statt des bisher üblichen Lederhelms. 1936 wurde das Schlauchmaterial vereinheitlicht. 1939 wird anstelle des „Rotlichts" das heute noch gebräuchliche „Blaulicht" eingeführt.
1945 war unser Depot leer, der Gerätewart Pahlitzsch wurde denunziert und in das Internierungslager Sachsenhausen verschleppt, das er gottlob lebend überstand! Aber wo waren unsere Fahrzeuge geblieben?
Mit Verschärfung des Bombenkrieges und der Großangriffe auf Berlin 1943/44 wurden die Feuerlöschbereitschaften der 15 km-Zone, später der 50 km-Zone, zur Brandbekämpfung in Berlin eingesetzt. Da die Feuerlöschpolizei dem Reichsführer SS Himmler unterstand und die Berufsfeuerwehr SS-Dienstgrade und SS-Dienstpässe seit Juni 1944 besaßen, wurden Feuerwehrleute von den vorrückenden sowjetischen Soldaten als SS-Angehörige sofort erschossen. Das wollte der Oberbranddirektor von Berlin, Generalmajor der Polizei Walter Goldbach zu verhindern suchen. So bekam am 22. 4. 1945 die Gruppe Nord - 40 Fahrzeuge - und die Gruppe Ost - 50 Fahrzeuge - den Befehl, sich in Nauen zu sammeln. Die Gruppe Nord, der wahrscheinlich auch unsere Fahrzeuge angehörten, fuhr über Lübeck nach Pinneberg, die Gruppe Ost nach Kellinghusen und Itzehoe und nahm aus Schwerin und Lauenburg noch Verwundete mit. Am 26. 4. 1945 wurde Goldbach wegen Sabotage erschossen.
1945/46 stiftete der Dolmetscher Kehlert der Wehr ein Pkw-Opel-Taxi, das in der Werkstatt Krause für die Mannschaft hergerichtet wurde. Ein Anhänger mit einer alten TS wurde in der Werkstatt Klessa aufgebaut. 1948 brachte Robert Neumann mit seinem Pferdegespann eine 800er TS, die repariert wurde.
1949/50 baute sich die Wehr aus dem Wrack eines Polizei-Überfallwagens, Baujahr 1928 „PROTOS", ein Feuerwehrfahrzeug.
1956 wurde ein ehemaliger Zellenwagen SIS 150 aus dem Briesewald geholt, mit einem neuen Motor versehen und zum ersten geschlossenen Fahrzeug aufgebaut.
Der „PROTOS" wurde nach Germendorf abgegeben. Nachdem bei einer Einsatzfahrt zum Pharmawerk Oranienburg eine Tür vom Opelwagen verloren ging, wurde eine alte Barkaskarosse aufmontiert.

1959 wurde ein von der DHZ ausgesondertes LF 15 „Mercedes" wieder hergerichtet. Die Kameraden Heinrich Richter, Raimund Neumann, Gerhard Herrmann und Herrmann Wüstemann waren unermüdlich tätig, um die Technik zu vervollständigen.
Seit 1959 bekamen unsere Fahrzeuge bis zur Abwicklung des Technischen Rates bei den jährliche Kfz-Appellen des Kreises Oranienburg stets die Note „Ausgezeichnet", seltener „Sehr gut", aber nie darunter!
1961/62 wird das sagenhafte TLF 25 „Mercedes", Baujahr 1943, als Flugplatzfeuerwehr konzipiert, nach gründlicher Sanierung in Dienst gestellt. Es erregt nicht nur den Neid der Berufsfeuerwehr, sondern wird in fast alle Abmarschpläne des Kreises aufgenommen. Bei dem Mangel an Tanklöschfahrzeugen auch kein Wunder! 1966 geht unsere LF 15 zur FFw Oranienburg.

Wir bauen ein H3A LF 16 auf.

H3A LF 16 beim 60 jährigen Jubiläum der FF Bergfelde h3alf16

Im gleichen Jahr stiftet Raimund Neumann einen Rettungswagen, der uns und anderen nützliche Dienste bis 1988 getan hat. Er wurde gemeinsam mit dem DRK-Ortskomitee genutzt. 1971 erhalten wir das erste Notstromaggregat. 1974 wird eine LF 16 von der Abteilung Feuerwehr nach hier umgesetzt. Unsere LF 16 geht nach Mühlenbeck. Die SSG-Geräte werden durch DLA ersetzt.
Im Sommer 1976 war es sehr trocken und heiß. Auf dem Weg zu einem Waldgroßbrand bei Königs Wusterhausen erlitt das TLF 25 schweren Motorschaden und mußte abgeschleppt werden. Es erhält einen neuen Motor und 1979 stationären Funk.
1980 wurde ein gebrauchtes TLF 16, Baujahr 1963, übernommen, da das TLF 25 als „Veteran" ausgemustert werden muß.
1983 bekamen wir das einzige neue Löschfahrzeug, den LO LF 8, die LF 16 geht nach Schildow, ein Wasserwagen kommt. Da der LO nicht in's Depot hineingeht, erhält er kleinere Räder!
1987 werden die Vollsichtschutzmasken eingeführt, wir bekommen ein Melde-Krad, das Andreas Striezel in persönliche Pflege nimmt.
Noch vor der Wende kann von der Orthopädische Klinik Birkenwerder eine AL 18 billig erworben werden. Die am 11. 5. 1992 stattgefundene Überprüfung der Fahrzeuge durch die Feuerwehr-Zentralwerkstatt Borkheide empörte uns, denn unsere Fahrzeuge sollten noch mindestens 5 Jahre den technischen Anforderungen entsprechen. Das war die Zeit, in der Feuerwehren der Bundesrepublik ihre schrottreifen Fahrzeuge in den Osten verschenkten, bloß weil der Mercedesstern lüstern leuchtete! Aber durch den Waldbrandeinsatz 1992 im Summter Wald wurden die Fahrzeuge außerordentlich beansprucht, ganz zu schweigen von den 2 TS, die ihren Geist aufgaben.

Jedoch hat uns das Jahr 1993 einigermaßen entschädigt:

Zunächst haben wir aber das uns im Februar angebotene TLF Tatra 32 aus Kostengründen ablehnen müssen. Aber am 18. 6. Konnten wir in einer Feierstunde einen B 1000 als ELW nach 172 Stunden Aufbauarbeit und ein LF 16 von Oranienburg in Dienst nehmen. Der Wunsch, ein neues Tanklöschfahrzeug zu bekommen, war nach längerem Hin uns Her nicht erfüllbar.

Aus Buseck bei Gießen konnte am 28. 11. eine vierköpfige Abordnung ein TLF 16/25 Mercedes, Baujahr 1973, abholen und nach 280 Stunden Aufbauarbeit zum Ende des Jahre 1993 in Dienst stellen.

tlf1

Außerdem konnten 3 neue Kettensägen, 1 Spreizgerät und 1 Motortrennschleifer beschafft werden. Des weiteren konnte ein SKW 2000 am 4.11.1993 aus Borkheide übernommen werden. 1993 haben wir den Wasserwagen verkaufen können.
All diese Fahrzeuge versehen trotz ihres hohen Alters und abgesehen von einigen Reparaturen bis heute ihre Dienste. Das ist auch in dem pfleglichen Umgang mit der Technik durch die Kameraden begründet. Doch ein Hoffnungsschimmer erscheint am Horizont. Die Brandschutzkonzeption der Gemeinde sieht vor, alle Fahrzeuge in den nächsten fünf Jahren durch neue zu ersetzen.

Die Feuerwehr und ihre Alarmierung

Um die Jahrhundertwende fuhr man die Einsätze nach der Rauchpilzentwicklung. Danach wurden Signalhörner eingesetzt. Im Oktober 1939 installierte man die 1. Sirene für Bergfelde auf dem Dach der Schule. Sie blieb nicht die einzige. Durch den Luftschutz und die Kriegsvorbereitung kamen in den dreißiger Jahren noch zwei weitere dazu. Wegen der zipfeligen Ortsbebauung wurden sie z.T. nicht gehört. Nach dem Zusammenbruch alarmierte man die Wehr wieder mit Signalhörnern und Hupen. 1969 bekam das Depot eine neue Sirene, während der DDR-Zeit wurde das Sirenensystem weiter ausgebaut. Wegen der Zivilverteidigung schaltete man 1984 alle 4 Sirenen zusammen, die sowohl vom Ort als auch vom Kreis ausgelöst werden konnten. Aber um 1969 entstanden die ersten „stillen Alarmpläne", nachdem das Telefonnetz zögerlich aufgebaut wurde. Heinrich Richter erfand die Kennzeichnung von Grundstücken der Kameraden mit einem roten Viereck und einem Leuchtpunkt in der Mitte.
Nach dem Anschluß an die Bundesrepublik wurde die Ausrüstung der Feuerwehren mit Meldeempfängern empfohlen. Seit Mai 1992 sind 2 Gruppen unserer Wehr mit „Piepern" ausgerüstet. Im Mai 1993 lehnte der Wehrvorstand den empfohlenen Abbau der Ortssirenen ab. Wenn nicht ab und zu die Sirenen den Bewohnern eines Ortes die Tätigkeit der Feuerwehr signalisieren, würde sich der Eindruck festsetzen, wir hätten nicht's zu tun und wären überflüssig!
Bis zu dem heutigen Tage ist uns nur noch die Sirene auf dem Depot erhalten geblieben.
1993 konnten wir die Zahl der Meldeempfänger auf 30 erhöhen, hinzukommen noch 10 Handsprechfunkgeräte.

Die Feuerwehr und ihre Einsätze

Überblickt man die Einsatzunterlagen der vergangenen 90 Jahre, soweit sie noch vorhanden oder zugänglich sind, so fällt sofort auf, daß es im Ort Bergfelde am wenigsten gebrannt hat und mehr Hilfeleistungen anfielen, aber die Waldbrände und Böschungsbrände der nahen und weiteren Umgebung jährlich an erster Stelle stehen.
Schon in den 20er Jahren gab es Einsätze in Schönwalde, Schönerlinde, Bernau und Zühlsdorf. Trotzdem seit 1910 die Wasserversorgung des Ortes durch einen Vertrag mit dem Berliner Wasserwerk Stolpe abgesichert und Wasserrohre und Hydranten verlegt wurden, blieb die Löschwasserversorgung problematisch. So wurde 1935 eine Zisterne an der Ecke Wilhelm- und Mühlenbecker Straße angelegt und am Frauenpfuhl eine offene Wasserentnahmestelle gebaut. Diese ist heute kaum noch nutzbar, da der Wasserspiegel des Frauenpfuhles rapide abgesunken ist.
Eine große Herausforderung waren die Folgen des Bombenangriffs am 22. 3. 1944 auf Bergfelde. Wahrscheinlich hatten uns die Bomber mit Basdorf (BRAMO-Werke!) verwechselt. Über 500 Spreng- und Brandbomben verursachten 80 total zerstörte Häuser und 30 schwere und 390 leichtere Schäden und Brände. 6 Tote waren zu beklagen. 14 Tage lang war die Wehr zusammen mit dem DRK im Einsatz. Kamerad Wüstemann erlitt einen schweren Unfall, als er nachts mit seinem Krad in der Sommerstraße gegen ein straff gespanntes Seil einer Absperrung fuhr. Weitere prägnante Beispiele mögen genügen:
Im März 1962 entstand ein großer Waldbrand, 1966 wurde das Mühlenbecker Viertel zum Wassernotstandsgebiet erklärt. Am 4. 11. 1969 entstand bei Summt durch die Unvorsichtigkeit der Waldarbeiter ein großer Waldbrand, im Dezember 1969 brennt die Großbäckerei in Velten. Am 25. 1. 1972 verursacht der Brand einer großen Halle der Holzindustrie in Hennigsdorf einen Schaden von 2,5 Millionen Mark. Im heißen Sommer 1976 mußte die Feuerwache 12 mal ständig besetzt bleiben, bis zu 3 mal täglich wird zu Entstehungsbränden ausgerückt. In die gleiche Zeit fällt der große Waldbrand bei Königs Wusterhausen. Am 26. 1. 1977 wurden wir durch einen Bungalowbrand in der Mühlenbecker Straße geschockt, bei dem 1 Kind erstickte. Am 28. 4. 1978 entstand durch Fahrlässigkeit der Brand im Schwesternhaus der Orthopädischen Klinik in Birkenwerder. 1978 schwamm Bergfelde durch den vielen Regen fast weg, dafür gab es 1979 viel Schnee und Tauwasser. 1981 wurden wir zu einem Großbrand nach Liebenwalde gerufen. Das Jahr 1982 wurde wieder extrem trocken, es gab 32 Waldbrände. 1983 brannten sogar die Getreidefelder. 1986 brannte eine Halle im Möbelwerk Birkenwerder, bei einem Wohnungsbrand in Glienicke wurden 2 Tote und ein toter Hund gefunden. 1987 war im Januar mit viel Schnee zu kämpfen. 1991 rettete unser Wasserwagen die frisch gepflanzten Bäume im Grenzstreifen nach Frohnau für die Waldjugend.

1992 beeindruckten uns der Großbrand der Wälder bei Summt und der Verlust des „Alten Kruges" in Schönfließ.
Im Jahre 1994 waren die Hilfeleistungen der überwiegende Teil der Einsätze
Im Jahre 1995 gab es diverse Waldbrände, die mit Hilfe der Nachbarwehren gelöscht werden konnten.
Der strenge Winter im Jahre 1996 forderte uns ein weiteres Mal. 11 Haushalte wurden für 10 Wochen mit Brauchwasser versorgt, da die Hausanschlüsse eingefroren waren.

Im Jahre 1997 war die Anzahl der Einsätze so hoch wie nie zuvor. Wiederum machten die Hilfeleistungen den größten Teil der Einsätze aus.
1998 war die Anzahl der Einsätze mit nur 35 so gering wie schon lange nicht mehr. Zu einem außergewöhnlichen Einsatz riefen uns die Meldeempfänger am 22.06.1998 um 7 Uhr und 11 Minuten. Die Entschärfung einer Fünf-Zentnerbombe in der Flachslakestaße 39. Mit 24 Kameraden unterstützten wir das Ordnungsamt bei der Evakuierung der Bürger. Nach knapp drei Stunden war die Bombe unschädlich gemacht worden.
Im Jahr 1998 wurden durch die Aktivitäten der Kameraden ca. 5800 freiwillige Stunden erbracht. Davon allein 1008 Stunden durch die Jugendgruppe der Feuerwehr.

Die Feuerwehr ihre Wettkämpfe und Wettbewerbe

Schon im Sommer 1909 wurde die Wehr einer genauen Inspektion unterzogen. Die Ausbildung hatten die Nachbarwehren Birkenwerder und Hohen Neuendorf übernommen. Die Prüfungen verliefen zur vollsten Zufriedenheit.
1930 absolvierten 6 Kameraden einen Gasschutzkurs bei der AUER-Gesellschaft in Oranienburg. Die Wehr bekam 6 Schutzmasken. Am 8. 7. 1934 fand in Bergfelde der Kreisfeuerwehrverbandstag Niederbarnim statt, wobei unsere Wehr in der Übung einen sehr guten Eindruck hinterließ. Auch klappte die Organisation sehr gut.
In der DDR-Zeit wurden alle Bevölkerungsschichten und Kollektive mit Urkunden, Orden und Ehrenzeichen und Wettbewerben bei guter Laune und in steter Bewegung gehalten, damit sie über ihre Lage nicht tiefer nachdachten. Es galt auch, einen Ausgleich zur Verwaltung der Mangelwirtschaft anzubieten.
Um 1960 wurde der Feuerwehrkampfsport eingeführt. Bergfelde belegte bis in die 80iger Jahre hinein erste Plätze. Die ersten „Kämpfer" waren z.B. Horst Jendrzejczyk, Manfred Bruchmann, Rainer Gundlach, Horst Schulz und Hans-Joachim Richter. Kurz danach gab es an den Schulen die AG „Junge Brandschutzhelfer", um die sich nacheinander erfahrene Feuerwehrleute verdient gemacht haben, ohne die rechte Unterstützung durch die Schule zu haben. In den Kreisausscheiden belegte die AG meist erste Plätze.
Im Juni 1969 erfüllte die Wehr die mannigfachen Bedingungen für die Leistungsstufe I. Damit war die Bildung einer Frauengruppe verbunden. Sie wurde am 4. 2. 1969 mit 14 Kameradinnen gegründet und errang schon 1970 in der Disziplin „Schnellangriff" den 1. Platz im Kreis, übrigens zusammen mit der Männermannschaft. 1970 wurde die Wehr mit der Medaille für „Verdienste im Brandschutz" ausgezeichnet. 1971 errang die Frauengruppe wieder den 1. Platz, die Männermannschaft wurde das 10. Mal Kreismeister.
1974 erreichte die Frauengruppe den 1. Platz bei den Bezirksmeisterschaften, die Männer den 2. Platz und die Wehr im Kreiswettbewerb den 1. Platz!
Im August fand in Rostock der DDR-Ausscheid der Nordbezirke statt, die Frauen belegten einen ehrenvollen 4. Platz. 1978 ist es der Frauengruppe noch einmal möglich nach dem gewonnenen Kreiswettkampf zum Bezirksausscheid zu fahren, aber dies nur mit personeller Auffüllung durch weibliche Mitglieder der DRK-Jugend. Ein guter 5. Platz von 16 Mannschaften war der Mühe Lohn.

1972 und 1977 wurde die Leistungsstufe I überprüft (1972 erreichten von 48 Feuerwehren des Kreises 2 Wehren die Leistungsstufe I, 4 Wehren die Leistungsstufe II und 30 Wehren die Leistungsstufe III).
1979 wurde die Vergabe der Leistungsstufen durch den Titelkampf „Vorbildliche Feuerwehr" ersetzt. Am 1. 5. 1979 errangen wir diesen Titel, der in den Jahren 1983, 1986 und 1989 erfolgreich verteidigt wurde.
1984 wurden die Qualifizierungsabzeichen für Einsatzkräfte, Vorbeugenden Brandschutz, Atemschutz und Maschinisten eingeführt.
Am 4. 10. 1985 erhielt der 64. Brandschutzzug, dem auch Bergfelde angehört, die Medaille „Verdienste im Brandschutz".

Nach Bildung des Kreisfeuerwehrverbandes fand 1992 der 1. Kreisfeuerwehrtag in Mühlenbeck statt. Beim Schnelligkeitswettbewerb erreichte die Männermannschaft den 3. Platz, die Jugendfeuerwehr den 4. Platz. 1993 war der 2. Kreisfeuerwehrtag am 12. 6. In Lehnitz verregnet und lustlos. Die Jugendfeuerwehr erreichte aber den 2. Platz und rettete unsere Ehre!
Danach wurden in jedem Jahr Wettkämpfe mit den Nachbarfeuerwehren durchgeführt in denen sowohl unsere Jugendmannschaft als auch die Männermannschaft jeweils vordere Plätze belegen konnte. Die vielen Pokale in unserem Schulungsraum zeugen davon.

Die Feuerwehr und der Vorbeugende Brandschutz

Ende der fünfziger Jahre gewinnt der VB größere Bedeutung. Waren es in erster Zeit Kontrollen auf Brandsicherheit in Betrieben und Verkaufsstellen, so kamen die Wohnstätten seit etwa 1968 hinzu. Seit 1971 wurde nach der „Börnicker-Bergfelder Methode" gearbeitet.
1975 war in der Brandschutzkartei, die Horst Jendrzejczyk und Dr. Joachim Matz aufbauten, jedes Gebäude erfaßt. Deshalb wissen wir, daß Bergfelde 1975 3256 Einwohner in 1222 Wohnungen bei 1355 Haushaltungen hatte. 800 Wochenendhäuser kamen hinzu. Von 1800 Grundstücken hatten 1050 Wasseranschluß, 197 eine Hauswasserversorgung und 318 Gasversorgung. Damals waren noch 160 Parzellen leer. 1976 verfaßte Horst Jendrzejczyk ein Merkblatt über „Brandschutz in Wohnstätten" für jeden Haushalt. Waren es im Jahr 1971 noch 946 Kontrollen, ebbte es langsam ab – 1974 342 Kontrollen. Die Kontrolltätigkeit ging weitgehend auf die Frauengruppe über. Seitdem aber die staatliche Seite und die SED überaus reges Interesse zeigte, die Brandschutzkontrollen für politische Zwecke auszunutzen, ließ das Interesse der Feuerwehr an diesen Veranstaltungen deutlich nach. Frustrierend war die Unmöglichkeit, Mängel abzustellen.

Überdies drehten wir 1972 mit der DEFA Filme für das Fernsehen über Entstehungsbrände mit dem Regisseur Schönfelder.

Die Feuerwehr und ihre Verbindung zu Stary Bohumin

Im Sommer 1965 kam unser Kamerad Herbert Matzke freudestrahlend aus dem Urlaub zurück. Er hatte seine alte sudetendeutsche Heimat Oderberg = Stary Bohumin besucht und war vom Bürgermeister mit einer Urkunde für seine langjährige verdienstvolle Arbeit in der dortigen Feuerwehr vor der Vertreibung 1945 geehrt worden. Es bestände der Wunsch der tschechischen Kameraden, mit der Bergfelder Wehr in näheren Kontakt zu treten. Offensichtlich hatte Herbert Matzke von uns geschwärmt. Im Juli 1966 folgte eine Delegation von uns der Einladung nach Stary Bohumin. Da man sich sympathisch war, folgte im April 1967 der Gegenbesuch einer vielköpfigen Delegation mit Bürgermeister und 8 Kameraden der Feuerwehr. Unsere Feuerwehr bot alles auf, von einer großen Übung vor der Schule mit dem DRK zusammen und dem RTW bis zu Fahrten nach Berlin. Beide Gemeinden schließen einen Freundschaftsvertrag. Der geplante Besuch in Stary Bohumin wird wegen der Ereignisse um den 21. 8. 1968 verschoben und dann aufgegeben. Privat guckte Horst Jendrzejczyk im Dezember 1968 in Stary Bohumin ein. Die Einladung 1972 zum 100. Geburtstag der Wehr in Stary Bohumin wurde aus mancherlei Gründen versiebt. Umso überraschter waren wir über die Einladung von 3 Kameraden zu ihrem 120. Geburtstag 1992. Sie wurde aber diesmal wahrgenommen, es gab viel zu erzählen. Zu unserer Freude kamen 3 Kameraden aus Stary Bohumin zu unserem Frühlingsfest am 18. 6. 1993, fühlten sich sehr wohl und berichteten von ihren Sorgen mit der mangelhaften Ausrüstung. Wir wollten gerne und spontan helfen, mußten aber die Zollbestimmungen fürchten, sind doch 2 Grenzübergänge zu überwinden. Da fuhr eben eine Löschgruppe in Uniform am 18. 7. 1993 über Polen nach Stary Bohumin mit einer TS, Schläuchen und wasserführenden Armaturen zum Wettkampf! Unsere tschechischen Freunde waren völlig überrascht und konnten es nicht fassen! Die Gastfreundschaft war überwältigend, auch, als 3 Kameraden mit ihren Frauen im September einen Nachbesuch machten. Wir hofften sehr, daß sie uns im Juni besuchen können!
Ein großer Höhepunkt war der „Tag der offenen Tür „am 04.06.1994. Alle Nachbarwehren und auch unsere Partnerfeuerwehr aus Stary Bohomin nahmen teil. Leider brach der Kontakt zu den Kameraden aus Stary Bohumin später aus unerklärlichen Gründen ab. Der „Tag der offenen Tür" gehört aber auch weiterhin zu unserer Tradition.

Es gehört auch zur Tradition unserer Wehr, daß sie stilvoll feiern kann. Ob das Kameradschaftsabende, Bälle oder Kappenfeste der 60iger und 70iger Jahre waren, wobei Heinrich Richter und Horst Berger die Initiatoren waren.
Am 28. 8. 1993 konnte unser damals jüngster Feuerwehrmann Ralf Bruch bei der Glockenweihe auf dem Friedhof das 1. Mal die Glocke zum Erklingen bringen. Damit fand eine wechselhafte Geschichte dieser Glocke, die die Wehr 50 Jahre aufbewahrt hatte, ein glückliches Ende. Wir gedachten des Gastwirtes Gustav Weidner, der 1926 die Glocke nach Bergfelde brachte für die Friedhofskapelle.

1998

Im Januar ist die 6 jährige Amtsperiode des Ortswehrführers Kamerad Pitz abgelaufen. Es wurde eine Anhörung durchgeführt. Der Gemeindebrandmeister teilt mit, daß den Ortsteilen ein Zugführer vorsteht mit den gleichen Aufgaben wie ein Ortswehrführer. Der Verlauf der Anhörung ergab, daß sich die Mehrheit der Kameradinnen und Kameraden für die weitere Arbeit des Kameraden Pitz als Zugführer aussprachen. Am 30. 01. 1998 setzt der Gemeindebrandmeister den Kameraden Pitz für weitere 4 Jahre als Zugführer für den Löschzug Bergfelde ein. Der Kamerad Jendrzejczyk teilt mit, daß er mit der Übernahme in die Alters- und Ehrenabteilung im Jahre 1998 nicht mehr als stellvertretender Zugführer zur Verfügung steht. Am 07. 07. 1998 gibt der Kamerad Pitz bekannt, daß er sein Amt als Zugführer des Löschzuges Bergfelde zum 01. 09. 1998 aus persönlichen Gründen niederlegt.
Der Kamerad Tornow setzt nach einer erneuten Anhörung den Kameraden Eberhard Bruch kommissarisch zum 01. 09. 1998 als Zugführer und den Kameraden Detlef Weber als dessen Stellvertreter ein. Am 17. 12. 1998 votierte das Parlament der Gemeinde Hohen Neuendorf einstimmig für das neue Führungsduo im Löschzug von Bergfelde.

Mit demJahr 1998 hat unser Löschzug eine Mitgliederstärke von 57 Kameradinnen und Kameraden. 39 Kameradinnen und Kameraden davon sind im aktiven Dienst. 6 Kameraden in der Alters- und Ehrenabteilung und wir haben 12 aktive Jugendliche.

90 Jahre Freiwillige Feuerwehr Bergfelde das heißt: Wir haben im Kaiserreich begonnen, unsere Arbeit in der Weimarer Republik fortgesetzt, haben 12 Jahre im so genannten 3. Reich verbracht, erlebten den 1. und 2. Weltkrieg, standen vor dem Nichts, haben in der DDR-Zeit große Anstrengungen gemacht, um eine der besten Feuerwehren des Kreises zu werden und darüber hinaus zu bleiben. Ein kleines Wunder war es, daß die Wehr trotz der Umwälzungen der Wende zusammenblieb und jetzt eine neue Blüte erlebt. Wir haben ungefähr 25 Bürgermeister oder Gemeindevorsteher überlebt. Die meisten mußten von uns erst auf die Bedeutung ihrer Feuerwehr aufmerksam gemacht werden. Und wenn sie das endlich kapiert hatten, wurde sie abgelöst und die Schwierigkeiten begannen von Neuem.
In der gleichen Zeit hatten wir nur 9 Wehrführer.

Nach dem Zusammenschluß der Gemeinden Bergfelde, Borgsdorf und Hohen Neuendorf befürchteten wir weitere Einbußen an der Eigenständigkeit unserer Wehr. Der Zusammenschluß der drei Gemeinden und somit auch der drei Feuerwehren hat nach anfänglichen Bedenken zu einer positiven Denkweise geführt und die drei Löschzüge der Gemeinde arbeiten bislang sehr gut zusammen.

Am 17.12.1998 gaben die Gemeindeabgeordneten einem neuen Zugführer und dessen Stellvertreter das Jawort. Ich hoffe und wünsche, daß alle Kameradinnen und Kameraden des Löschzuges Bergfelde die Kameraden Bruch und Weber mit allen Kräften unterstützen, damit auch in den nächsten Jahren der Löschzug Bergfelde stets eine schlagkräftige Truppe ist.

 

Leider endet unsere Chronik mit dem Jahr 1998 wegen des Fehlens eines aktiven Chronisten.

Seit dem hat sich Vieles ereignet und Einiges ist gleichgeblieben ...

 

Inhalt gewünscht ....!

Überarbeitung bisheriger Chronik und Fortführung bis aktuell.

 

„Blicken wir noch einmal zurück: Geblieben sind bei allen Veränderungen das Blau unserer Röcke, Wasser und Sand als unbestrittene Löschmittel und --- unser Plumpsklo!" Diesen Ausspruch konnte der Kamerad Dr. Matz noch zur Festveranstaltung zu unserem 85-jährigen Bestehen tätigen. Ich kann heute mit Stolz sagen: Unser Plumpsklo ist nicht mehr da! Stattdessen haben wir einen neuen und modernen Sanitärtrakt.

Dienstag, 16. Oktober 2018